ERASMUS+ , ein gigantisches Projekt  endet nach zwei gemeinsamen Jahren…

ERASMUS+ , ein gigantisches Projekt  endet nach zwei gemeinsamen Jahren…

Unter dem Motto „You on my mind“ (Du bist in meinen Gedanken) arbeiteten sechs Schulen aus der Tschechische Republik, Polen, Finnland, Kroatien, Deutschland und Griechenland in den vergangenen Jahren gemeinsam zum Thema „tolerance“ (Toleranz). Ziel des europäischen Großprojektes war es die teilnehmenden Länder (Schulen, Kollegen und Schüler) zu vernetzen und Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten herauszustellen. Die sechs teilnehmenden Schulen besuchten sich gegenseitig mit fünf bis sechs Schülerinnen und Schülern in ihren Ländern und erlebten jeweils eine gemeinsame Woche mit Vorträgen, individuellen Workshops, typischen Sehenswürdigkeiten der Heimatstädte, kulturellen Besonderheiten und einem bunt gestalteten Abschlussabend mit vielen unvergesslichen Erinnerungen. Tränen am Abreisetag waren grundsätzlich garantiert…

So verbrachten die fünf ausländischen Schulen aus den Städten Hodonin (Tschechien), Wroclaw/Breslau (Polen), Nurmijärvi (Finnland), Nova Gradiška (Kroatien) und Bonn (Deutschland) den letzten Austausch in Paleo Faliro, einer Gemeinde in Athen (Griechenland). Die Anreise erfolgte individuell am Sonntag, dem 15. April 2018. Alle teilnehmenden Schulen landeten am Flughafen in Athen und wurden von ihren jeweiligen Gastgebern und deren Eltern herzlich in Empfang genommen. Während die Schülerinnen und Schüler den restlichen Tag mit ihren Gastgebern verbrachten, trafen sich die Kolleginnen und Kollegen am Abend zu einem gemeinsamen Abendessen. Die Freude war auf allen Seiten riesig, da sich alte Bekannte ebenso wie neue Gesichter trafen. Die griechische Gastfreundschaft wurde bereits durch ein liebevolles Gastgeschenk und einen individuellen Gruß im Hotelzimmer zum Ausdruck gebracht und fand in der herzlichen Begrüßung seitens der griechischen Kolleginnen und Kollegen im Restaurant am Abend seinen Höhepunkt. Eine vielversprechende Woche konnte beginnen.

Am darauffolgenden Morgen konnten wir Lehrer bei einem unvergleichbaren Meeresblick das wunderschöne Mittelmeer während des Frühstücks bestaunen. Unserer Schülerinnen und Schüler trafen wir gegen 9 Uhr an der Schule. Der griechische Schulleiter Vassilios Orfanopoulos begrüßte uns gemeinsam mit seiner Kollegin, der Projektkoordinatorin Maria Bitakou und berichtete über das griechische Schulsystem. Im Anschluss präsentierten alle teilnehmenden Länder ihr jeweiliges Land, ihre Stadt sowie ihre Schule. So lernten die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer mit wem sie es zu tun haben. Im Verlauf des Tages folgte eine Workshop-Phase in Physik und Kunst für unsere Schülerinnen und Schüler, in denen erneut die Themen Toleranz und Gemeinsamkeiten im Unterricht greifbar gemacht und veranschaulicht wurden. Am frühen Nachmittag endete der Unterricht und die Gastgeber nahmen ihre Gäste mit nach Hause. Die Lehrerinnen und Lehrer aßen gemeinsam zu Mittag und reisten am späten Nachmittag zum knapp 60 Kilometer entfernten Poseidon Tempel an das Kap Sounion, der südlichsten Spitze der Halbinsel Attika. Das wunderschöne Wetter, die beeindruckende Tem

pelruine und die Fahrt entlang der Küste zum Kap Sounion bleiben unvergessen. So endete ein perfekter Tag, der die Vorfreude auf den Nächsten schürte.

Dienstagmorgen trafen wir uns alle erneut in der Schule um gemeinsam zu einem Ausflug aufzubrechen. Das Wetter war wieder vielversprechend und alle Schülerinnen und Schüler waren bester Laune. Wir brachen gegen 9 Uhr auf um entlang des Hafens zur STAVROS NIARCHOS CULTURAL FOUNDATION zu gelangen. Hier besichtigten wir einen gigantischen Gebäudekomplex im modernen Baustil, der 2016 eröffnet wurde und die Nationalbibliothek sowie die Nationaloper beherbergt. Wir erhielten eine kleine Führung durch beide Staatsbauwerke und konnten danach bei Spielen im angrenzenden, neu angelegten Stavros Niarchos Park einander besser kennenlernen

und Zeit verbringen. Gegen 13 Uhr trennte sich der gemeinsame Weg der Schüler und Lehrer. Alle verbrachten individuell ihren Nachmittag um sich am Abend zu einem gemeinsamen Treffen mit dem Vizebürgermeister von Paleo Faliro am Kulturzentrum einzufinden. Herzlich wurden wir von allen Gastgebern der Stadt empfangen. Nach einer kurzen Begrüßung machten wir einen Spaziergang in dem nahe gelegenen botanischen Garten um anschließend an der Promenade entlang zurück zum Kulturzentrum zu gelangen. Nach einigen Ansprachen und unter musikalischer Begleitung erhielten alle teilnehmenden Länder ein Buch über die Geschichte der Gemeinde Paleo Faliro mit Widmung des Bürgermeisters. Zum Abschluss dieses sehr herzlichen Empfangs gab es reichlich Pizza und Getränke für die Schülerinnen und Schüler, welche restlos vertilgt wurden – ein Zeichen, dass es den Jugendlichen bestens schmeckte!

Am Mittwoch erwartete uns alle ein ganz besonderer Ausflug: Die Erkundung der Akropolis im knapp sieben Kilometer entfernten Athen stand auf der Tagesordnung. Wir trafen uns wieder an der Schule und gingen gemeinsam zur Bahn um in die Innenstadt von Athen zu fahren. Natürlich gehört die Akropolis, der Tempelberg oder auch Stadtberg zu einem der Höhepunkte (nicht nur aufgrund seiner Lage!) auf dem Programm dieser Woche. Ein „must-see“ für jeden Athen Besucher. Zu jeder griechischen antiken Stadt gehörte eine Akropolis, diese wurde auf Erhöhungen/Hügeln (Griechenland ist durch unendlich viele Hügel gegliedert) angelegt mit meist steilen Berghängen (zur optimalen Verteidigung vor Feinden) und vielen Wehranlagen. Somit kann eine Akropolis mit einer Zitadelle verglichen werden, die zum Schutz vor Feinden unter besonderer Verteidigung stand.

 

Im Laufe der Zeit wurde der klassische Burgberg mehr und mehr zu einer Kultstätte unter anderem für besondere Heiligtümer, wie z. B. bei der Athener Akropolis, dem Parthenon (Tempel der Stadtgöttin „Pallas Athena Parthenos“ aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.). Der gigantische Blick über die Metropole Athen und die Tempelanlage des Parthenons ließen den steilen Anstieg schnell vergessen. Nach einer Zeit des Verweilens, unendlich vielen Selfies und einem Spaziergang über das sehr große Areal über der Stadt Athen stiegen wir die Akropolis hinab und besichtigten das zugehörige Akropolis Museum. Wir erfuhren, dass viele Originalteile der Akropolis, speziell des Parthenons von anderen Ländern geraubt wurden und sich somit in deren Nationalmuseen befinden und dass sich sowohl Kirchen, als auch Moscheen im Laufe der Zeit auf der Akropolis im Tempelgebäude der Palles Athena Parthenos befanden. Nach einem individuellen Mittagessen traf sich die Gruppe erneut vor der orthodoxen Kirche von Athen um diese unter Führung eines Priesters zu besichtigen.

 

Viele Fragen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden der griechisch-orthodoxen Kirche zu anderen christlichen Gemeinschaften wurden aufgezeigt und geklärt. Die Schülerinnen und Schüler waren ebenso interessiert wie die Lehrerinnen und Lehrer, denn Respekt und Interesse an der jeweils anderen Kultur und ihren Besonderheiten zeichnet das Erasmus+ Projekt aus. Am Ende der Führung / des Vortrags wurde jedem Teilnehmer ein kleines orthodoxes Kreuz als Andenken an diesen besonderen Ort geschenkt. Den restlichen Nachmittag durften alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Gastgebern in der Innenstadt von Athen verbringen und kleine Souvenirs kaufen. Natürlich folgte am Abend wieder ein reichhaltiges Abendessen für die Lehrer, welches wir nicht näher beschreiben wollen, damit kein Neid aufkommt! 😉

Der Donnerstag war als ein weiterer Ausflugstag im Programm festgelegt. Gegen 9 Uhr trafen sich die Lehrer mit den Schülern in der Stadt um gemeinsam mit einem Bus auf den Berg Pendeli zu fahren, dem zweithöchsten Berg in der Region. Eine abenteuerliche Serpentinenstrecke führte uns dorthin. Angekommen, bekamen wir Sicherheitshelme ausgehändigt und machten uns mit unserem neuen Outfit auf die Wanderung. Organisiert wurde diese Wanderung in die Mamorsteinbrüche der Akropolis von Eltern unserer griechischen Gastgeber. Neben mehreren interessanten Anlaufstellen mit geschichtsträchtigen Informationen, gelangten wir zu einer kleinen orthodoxen Kapelle, die in den Berg gehauen und gebaut wurde. Hier lebten lange Zeit einige Mönche.

 

Direkt neben der Kapelle befindet sich ein gigantischer Eingang in eine riesige Höhle, welche in der Antike als heilige Grotte diente und Nymphen und dem Gott Pan geweiht war. Der Abstieg in diese Grotte war sehr rutschig, doch traute sich die Mehrheit hinab in die Tiefe. Nach einer kleinen Pause mit Sonnenbad vor der Grotte fuhren wir mit dem Bus in das Interorthodoxe Zentrum der griechischen Kirche knapp 15 Kilometer von Athen entfernt. Hier wurden wir herzlich vom Leiter des Zentrums empfangen und bekamen einen erweiterten, tieferen Einblick in die Orthodoxe Kirche mit Führung durch das ansässige Kloster, die Klosterkirche und die Empfangsräume der Tagungsstätte. Gegen Ende des Empfangs wurde uns in der eigenen Bibliothek ein kleiner Vortrag über das Handeln des Interorthodoxen Zentrums zuteil. Erschöpft aber bestens informiert fuhren wir zurück nach Paleo Faliro und wurden am späten Nachmittag entlassen.

Unseren letzten gemeinsamen Tag verbrachten wir wieder in der griechischen Schule, dem „1o GEL PALAIOU FALIROU“ um hier von uns ausgewählte, couragierte Landsleute, den anderen Nationen zu präsentieren. Die unterschiedlichen Länder zeigten, dass sowohl geschichtsträchtige, als auch aktuell sehr bekannte Personen hier sehr wohl im gleichen Maße Engagement und Courage für Toleranz und Akzeptanz ausdrücken können. Ein perfektes Beispiel für die Aktualität der Thematik „Toleranz“, die auf so viele Arten und Weisen interpretiert werden kann. Den einzelnen Gruppen wurde danach Zeit zum Üben für die jeweiligen Auftritte beim bunten Abend zur Verfügung gestellt. Gegen 13:30 Uhr verließen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Gastgebern die Schule und kamen pünktlich um 19 Uhr zu unserem bunten Abschlussabend, gestylt hierher zurück. Uns erwartete ein abwechslungsreiches Programm unter freiem Himmel. Jede Nation führte etwas auf; von allem war etwas dabei: Gesang, Tänze und diverse Quizeinlagen. Begleitet von einem DJ, welcher einen belebenden Mix an Musik auflegte, wurde das Buffet, welches durch die Elternschaft angerichtet wurde eröffnet. Nach der Stärkung wurde ausgelassen getanzt. Hierbei muss die unglaubliche Mentalität der Griechen hervorgehoben werden, sie verstehen es – ob jung oder alt, die Massen mit zu reißen. Klassische „Volks“ Tänze wie der Sirtaki werden von allen beherrscht und wurden auf fröhliche Weise anschaulich vorgetanzt, sodass die Laien aus den übrigen fünf Ländern, mehr oder weniger problemlos einsteigen konnten. Ein wirklich wunderbarer Abend, der sehr spät endete. Die Schülerinnen und Schüler verließen mit den Eltern das Schulgrundstück, die Lehrerinnen und Lehrer taten dies nach ausgiebigen Verabschiedungen ebenso.

Der Samstag war unser Abreisetag, einige Gruppen verließen Athen bereits sehr früh, andere reisten im Laufe des frühen Nachmittags ab, wieder andere gegen Abend. Ausschließlich die Kroaten konnten noch eine Nacht ergattern, da ihr Flug erst am Sonntag ging. Das Bild am Flughafen war jedoch immer dasselbe: Tränenreiche Abschiede zwischen den Gastgebern und der Gastschülern und viele Versprechen sich im jeweils anderen Land zu besuchen. In Zeiten der mobilen Vernetzung ist ein Austausch, auch innerhalb kürzester Zeit untereinander problemlos möglich, was das Motto: „You on my mind“ dieses Erasmus+ Projekt deutlich unterstreicht.

Danke an unsere tschechischen Freunde für die Organisation dieses Projektes und natürlich ein besonderer Dank an die griechischen Gastgeber, die diese Austauschwoche zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben, von dem wir – wie auch schon die vorangegangenen fünf Reisen – ein Leben lang zehren können. Toleranz und Akzeptanz sind Grenz- und Kulturüberschreitend!

Für das gesamte Erasmusteam aus Tschechien, Polen, Finnland, Kroatien, Deutschland und Griechenland – Jonas Reinhold